Eugenia-Sarto

Unsere großen früheren Päpste kennenzulernen, ist uns große Bereicherung und Trost

Pius IX.: Der Papst zwischen Telegraf, Eisenbahn und den Schauungen der Anna Maria Taigi

Das Pontifikat von Papst Pius IX. (1846–1878) wird oft nur als Zeit des politischen Rückzugs wahrgenommen. Doch blickt man mit den Augen des großen Papsthistorikers Ludwig von Pastor hinter die Kulissen, zeigt sich ein faszinierendes Bild: Ein Papst, der die Technik der Moderne meisterte, während er ihrem atheistischen Geist widersprach.

Der Fortschritt im Dienste Gottes
Pius IX. war kein Gegner der Wissenschaft, sondern ein technischer Pionier: Er ließ im Kirchenstaat die ersten Eisenbahnen bauen und besaß einen prachtvollen Galazug. Er beleuchtete Rom mit modernen Gaslaternen und vernetzte den Vatikan per Telegraf, um die Einheit der Kirche weltweit zu sichern. Sogar die Marine modernisierte er: Sein Flaggschiff, eine Dampfkorvette, trug den stolzen Namen „Immacolata Concezione“ – ein Bekenntnis zur Unbefleckten Empfängnis auf den Wellen der Meere.

Die göttliche Regie der Mystik
Parallel zu diesem technischen Aufbruch war Pius IX. tief in der Welt des Übernatürlichen verwurzelt. Die berühmte Mystikerin Anna Maria Taigi hatte seine Wahl bereits in ihrer „Lichtsonne“ vorausgesehen. Ihr Einfluss stärkte den Papst in seinem Entschluss, das Dogma der Unbefleckten Empfängnis (1854) zu verkünden. Diese geistige Wahrheit fand ihre Bestätigung wenig später durch den Himmel selbst: In Lourdes stellte sich die Gottesmutter der kleinen Bernadette Soubirous mit genau jenem Titel vor, den Pius IX. in Rom definiert hatte.

Prophetische Mahnung und die „Drei Tage Finsternis“
In den unruhigen Zeiten der Revolution suchten viele Gläubige Rat bei den Prophezeiungen der Taigi. Besonders ihre Schauung über die „drei Tage der Finsternis“ – eine Zeit der Prüfung, in der nur geweihte Kerzen Licht spenden sollten – bewegte die Gemüter. Pius IX., der den Seligsprechungsprozess der Mystikerin einleitete, sah darin einen Aufruf zur inneren Umkehr. Während die politische Finsternis über den Kirchenstaat hereinbrach, lehrte er die Gläubigen, dass das wahre Licht allein von der Gnade Gottes ausgeht.

Der „Gefangene“ mit dem befreienden Humor
Als 1870 die Truppen des Risorgimento Rom besetzten, zog sich Pius IX. als „Gefangener“ in den Vatikan zurück. Doch er verlor nie seinen römischen Humor. Er bewies der Welt, dass die Kirche keine Armeen braucht, um geistig zu strahlen. Ohne Land und weltliche Macht wurde er zum Zentrum der Herzen für Millionen Gläubige. Er führte die Kirche sicher vom Zeitalter der Kutschen in das Jahrhundert der weltweiten Kommunikation – immer an der Hand Mariens.
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