simeon f.

Haben die Kirchenväter bereits an die 'Unbefleckte Empfängnis' Mariens geglaubt?

Die Lehre der unbefleckten Empfängnis war keine Lehre der frühen Kirche und der Kirchenväter. In der orthodoxen Kirche ist sie daher bis auf den heuigen Tag fremd. Sie ist eine Folge der Sonderlehre des hl. Augustinus über die Erbsünde. Diese Lehre wurde von keinem der Kirchenväter geteilt. Die Kirchenväter lehrten, dass jeder Mensch von Gott als dessen Abbild jeweils neu erschaffen wird. Und weil alles, was Gott erschafft, immer vollkommen gut ist, kann der Mensch nicht bei seiner Erschaffungin von irgendeiner Art von Sünde befleckt sein.

Dies hingegen steht wiederum im Widerspruch zur Lehre des Augustinus, derzufolge jeder Mensch seit dem Sündenfall mit einer vererbten Schuld auf die Welt komme. Die Kirchenväter lehrten aber, dass der Mensch nur aufgrund der gefallenen Natur, seines sündhaften Umfeldes und durch die Anstrengungen des Teufels in den Strudel der Sünde hineingezogenn wird. Lediglich Maria ist es gelungen, sich diesem Sog zu entziehen. Es wird ihr daher auch als größter Verdienst angerechnet, der Sünde vollständig entsagt zu haben.

Das Konzept der unbefleckten Empfängnis war auch der Westkirche zunächst fremd. Es entstand erst, weil die Lehre von der immerwährenden Sündlosigkeit Mariens, welche ja schon längst unumstritten war, nicht in Einklang zu bringen war, mit der Tatsache, dass die Gotttesmutter als Mensch ja ebenfalls ein Kind von Adam und Eva war und somit, jedenfallls nach der Lehre des Augustinus, ebenso der Erbschuld unterliegen müsste. Um diesen Widerspruch zu eleminieren entwickelte man quasi die Idee der unbefleckten Empfängnis. Was dabei aber nicht bedacht wurde, ist die Tatsache, dass bei diesem Konzept der Verdienst Mariens extrem minimiert wird. Außerdem stellt sich fast unweigerlich die Frage, warum Gott nicht alle Menschen von der Erbschuld befreit hat, wenn es ihm doch bei Maria möglich war.
64